Begriff Authentizität

Definition: Übereinstimmung des eigenen Handelns mit den eigenen, als „echt“ und selbstbestimmt erlebten Werten, Überzeugungen und Gefühlen – ein Ideal, das insbesondere seit der Romantik und verstärkt in der Spätmoderne als individuelles Lebensideal propagiert wird („sei du selbst“).

Quelle/Zuordnung: Philosophische Anthropologie und Ethik, mit Wurzeln u. a. bei Rousseau und der Existenzphilosophie; heute ein allgemein gebräuchlicher, in Beratungs- und Popularkultur breit verwendeter Begriff.

Bezug zum Souveränitätskontext: Abgrenzung im Beitrag: Authentizität setzt bereits Klarheit über die eigenen Werte voraus und fragt, ob das Handeln diesen entspricht. Souveränität betrifft die vorgelagerte, oft übersehene Fähigkeit, diese Werte überhaupt gegen äußeren Druck stabil zu halten, statt sie unbemerkt neu zu definieren und die neue, angepasste Definition anschließend fälschlich für „authentisch“ zu halten – gerade weil Erosion strukturell unmerklich verläuft, ist subjektiv erlebte Authentizität kein verlässliches Indiz für tatsächliche Souveränität.

Aus dem Begriffsglossar zum Vortrag „Nachhaltiges Wachstum als umkämpfte Ordnungskategorie“ (Robert Rossberger, Markus Grottke; XIII. Tagung für Praktische Philosophie, Passau, 24.–25.9.2026).