Begriff Habitus

Definition: Pierre Bourdieus zentrales Konzept für ein System dauerhafter, übertragbarer Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Handlungsschemata, die durch die soziale Position und Sozialisation eines Menschen (Herkunft, Bildung, berufliches Milieu) geprägt werden. Der Habitus strukturiert Urteile und Handlungen vor, ohne dass sich die Urteilenden dieser Vorprägung bewusst wären – er erscheint ihnen vielmehr als selbstverständlicher „gesunder Menschenverstand“. Bourdieu verbindet den Begriff eng mit dem des sozialen Feldes und den darin verteilten Kapitalsorten (ökonomisch, kulturell, sozial, symbolisch).

Quelle/Zuordnung: Pierre Bourdieu, „Esquisse d’une théorie de la pratique“ (1972), deutsch: „Entwurf einer Theorie der Praxis“, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1976; systematisch weiterentwickelt in „La Distinction“ (1979).

Bezug zum Souveränitätskontext: Erklärt, wie Nachhaltigkeitsurteile bereits auf individueller Ebene unbewusst vorstrukturiert werden, etwa durch milieuspezifische Vorstellungen davon, was als „vernünftiger“ Konsum oder „verantwortungsvolles“ Unternehmertum gilt. Damit liefert der Habitus-Begriff einen wichtigen Baustein der im Beitrag beschriebenen diskursiven Internalisierung, die der offenen Souveränitätserosion vorausgeht.

Aus dem Begriffsglossar zum Vortrag „Nachhaltiges Wachstum als umkämpfte Ordnungskategorie“ (Robert Rossberger, Markus Grottke; XIII. Tagung für Praktische Philosophie, Passau, 24.–25.9.2026).